DAX feiert eine Party

Dass der DAX so gut zugelegt hat, liegt zum einen an den guten Zahlen, die einige Unternehmen präsentierten. Der schwache Euro hat exportierenden Unternehmen Umsätze befeuert und der niedrige Ölpreis half Kosten zu senken. Der DAX konnte vom 5.1.2015 bis heute, in etwas weniger als zwei Monaten, von 9.473 auf 11.340 Punkte um fast 20% zulegen.

Den Großteil des Zuwachses sehe ich jedoch in der Finanzpolitik begründet. Die Fed hat enorm zum starken Dollar beigetragen. Für US Investoren ist es jetzt günstig in Europa zu investieren. Die EZB hat angekündigt, durch den Kauf von Anleihen, ab März 60 Milliarden Euro pro Monat auf den Markt zu bringen. Durch den Kauf der Anleihen blockiert die EZB den Zugang zu einem beachtlichen Teil des europäischen Anlagemarktes. Das Marktkapital muss sich dann auf die restlichen Anlageklassen, wie den Aktienmarkt, verteilen. Zusammen mit den US Investoren schießt die Anfrage nach europäischen Aktien nach oben und damit auch ihre Preise. Die Fed hat QE3 letztes Jahr beendet und weitet damit die eigene Bilanz nicht weiter aus. Der Kupon und der Kapitalbetrag auslaufender Anleihen werden jedoch wieder reinvestiert, sodass der Zugang zum Großteil der US Anleihen weiterhin blockiert beleibt. Ähnliches passiert in Japan seit Jahrzehnten.

Das Ganze sorgt für Inflation auf den westlichen Anlagemärkten. Wie beschrieben, finden gerade in Erwartung an ein europäisches QE Umschichtungen nach Europa statt. Werden mit der Einkaufstour der EZB also die europäischen Titel Monat für Monat steigen? Ja, wären da nicht mehrere Systemrisiken, die viele Investoren den Finger nervös auf dem Verkaufsknopf halten lassen. Auf diese Risiken werde ich in den nächsten Beiträgen genauer eingehen.

Wer auf der Welle mitreiten will, sollte den Einstiegszeitpunkt gut abwägen. Nach so einer Rally sind eine Konsolidierung und Gewinnmitnahmen wahrscheinlich. Und hat die EZB zwar 60 Mrd Euro für Anleihekäufe angekündigt, bleibt doch abzuwarten wie die tatsächliche Realisierung aussieht und ob von Anfang an die volle Summe investiert wird. Da der Großteil der Käufe über nationale Zentralbanken abgewickelt werden soll, würden die einzelnen Länder jeweils die Haftung für diese Anleihen übernehmen. Je nach Gestaltung, müsste der Bundestag dafür stimmen. Ähnliches gilt für die Parlamente der anderen EU-Länder.